15. März 2021

Berlin braucht Antirassismusbeauftragte an den Hochschulen!

Das Berliner Hochschulgesetz soll überarbeitet werden: So sieht es der Koalitionsvertrag vor. Jetzt werden diese Pläne konkret. Die Senatskanzlei arbeitet an einem Entwurf, der noch in diesem Jahr im Abgeordnetenhaus abgestimmt werden soll. Wir fordern die Senatskanzlei auf: Beziehen Sie Vertreter_innen der rassismusbetroffenen Zivilgesellschaft mit in den Prozess ein. Der Zeitpunkt, Strukturen für antirassistische Arbeit an Berliner Hochschulen einzurichten, ist jetzt! Denn Rassismus und Diskriminierung an Hochschulen sind ein Problem mit besonderer gesamtgesellschaftlicher Auswikung. 

Studien und Erfahrungsberichte von Studierenden und Wissenschaftler_innen mit Rassismuserfahrung belegen Zugangsbarrieren, Ausschlussmechanismen und Bildungshindernisse an deutschen Hochschulen.

Während einerseits rassismusbetroffene Schüler_innen systematisch entmutigt werden, ihren Weg überhaupt an die Hochschulen zu finden, werden diejenigen, die dennoch studieren, kontinuierlich mit diskriminierenden Strukturen und Ausschlussmechanismen konfrontiert.

Rassismus und Diskriminierung an Hochschulen sind omnipräsent: Sie zeigen sich in den Lehr- und Forschungsformaten und -inhalten, in der (Nicht-)Einrichtung von Lehrstühlen ebenso wie im Hochschulalltag für Studierende und Beschäftigte und spiegeln sich in der personellen Besetzung auf allen Ebenen wider.

Der überwiegende Teil der Entscheidungsträger_innen in Politik, Wirtschaft, Kunst & Kultur und vielen weiteren Bereichen des öffentlichen Lebens haben eine Hochschulbildung durchlaufen. Sie beziehen sich in ihren Analysen und Argumentationen auf Ideen und Theorien, die in Hochschulen entstehen, weiterentwickelt und -verbreitet werden. Konzepte wie “Integration” oder Debatten über die “Leitkultur” greifen immer wieder auf weiß-dominierte Wissensproduktion zurück, die innerhalb der Hochschule entsteht.

Gleichzeitig werden gerade intersektionaler Diskriminierung betroffene Menschen systematisch von der Teilhabe an Forschung und Lehre ausgeschlossen werden und dadurch daran gehindert sich auf dieser Ebene an Wissensproduktion und folglich auch an gesellschaftlichen Diskurs- und Meinungsbildung zu beteiligen.

Gerade Wissen aus marginalisierten Perspektiven wird selten als legitimes und wertvolles Wissen behandelt. Die Deutungshoheit darüber, was aus “wissenschaftlicher Sicht” valide ist und wer qualifiziert ist, an Wissensproduktion teilzunehmen, ist fest verankert in kolonial geprägten, heteronormativen, klassistischen und ableistischen Strukturen. Die dadurch immer wieder aufrecht erhaltenen Marginalisierungsprozesse gilt es, aufzubrechen.

Wissensproduktion geschieht immer aus einer konkreten Position heraus. Wissensgenerierung und Forschungsergebnisse entsteht also immer aus einem spezifischen Ort und in einem spezifischen Kontext. Ebenso wissen wir, dass dieses Wissen gesellschaftliche Diskurse beeinflusst und/oder anstößt. Entsprechend trägt Politik die Verantwortung, diskriminierenden und rassistischen Strukturen in ihren Institutionen aktiv entgegenzuwirken.

Unabhängig welche Fachrichtung: Forschung sollte uns Lösungen für und Wege aus gesellschaftlichen Krisen weisen – nicht sie aufrechterhalten und verstärken. Dafür ist es aus unserer Sicht unumgänglich, strukturellen Rassismus und Diskriminierung effektiv zu bekämpfen.

Wir fordern

  • Antidiskriminierungsbeauftragte_r für Berliner Hochschulen mit umfassenden Befugnissen
  • Finanzierung von Empowerment-Projekten an allen Berliner Hochschulen
  • Positive Maßnahmen zur Förderung und Unterstützung von rassismusbetroffenen Studierenden & Lehrenden
  • Intersektionale Perspektiven und Diskriminierungskritische  Lehrinhalte in die Hochschul-Curricula
  • Mindestens 35 % Repräsentation von BIPoC/Menschen mit Rassismuserfahrungen in allen Statusgruppen
  • Die Ergänzung und Implementierung des LADG auf Hochschulebene

Kontakt für Rückfragen & Interviews:

Ed Greve, Bildungsreferent

E-Mail: ed.greve [at] migrationsrat.de

Telefon/Mobil: 030 - 61658755 oder mobil über unsere Pressestelle 0176 99114943

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