16. November 2020

Mittwoch

Heute ist GLADT-Tag! 🎉 🌈 🎉
Freut euch auf:

  • GLADTs Video zur queeren Club-Szene aus Perspektive Rassismusbetroffener
  • Einen Empowerment-Workshop für QTBIPoC zu Strategien gegen Auschlüsse in der Queeren-Szene
  • Dem queertastischen, absolut tanz- und genießbaren DJ-Set von QTI-BIPoC DJ MINQ
  • Einen Ausblick auf GLADTs Awareness Konzept

Rassismus unter der Diskokugel – “Schätzchen hier passte nich’ rein”

Hinter unserem Filmprojekt steckt die Idee, mit einem kurzen Video-Clip rassistische und weitere Ausschlussmechanismen in queeren Orten Berlins, insbesondere in Clubs und Bars, für eine breite Öffentlichkeit verstehbar zu machen. Schwerpunkt bilden dabei die Eigen-Perspektiven unserer queeren BIPoC-Protagonist_innen sowie ihre individuellen Ausschlusserfahrungen.
Im Kontext der Club- und Ausgehszene erfahren Betroffene, wie an so vielen anderen Stellen auch, wieder eine Doppelbelastung: Zum einen erschüttern Ausschusserfahrungen das Zugehörigkeitsgefühl zur queeren Community, welches wiederum ein wichtiger Teil unserer mentalen Gesundheit ist. Zum Anderen brauchen wir alle regelmäßige Ruhe und Erholungsphasen. Diese zu verwehren oder zu belasten, hat massive negative Effekte auf unsere Energielevel und damit auf unsere psychische Gesundheit.
Abilaschan, Armeghan und DJ-Grace Kelly äußern in diesem Film ihre Wünsche und Forderungen an weiße queere Begegnungsorte. Der Film möchte zu einem gemeinsamen Dialog über noch zu entwickelnde Strategien für eine diskriminierungsärmere Gestaltung der Berliner Tanzflächen anregen.

Das nachfolgende Video ist mit deutschsprachigen Untertiteln versehen. Je nach Voreinstellung muss die Anzeige der Untertitel rechts unten in der Menüleiste im Player aktiviert werden.

MINQ

Und damit wir uns nicht nur im Negativen verlieren, kommt hier ein Set von MINQ aus Berlin, um unsere Kreativität, unseren Überlebenswillen und einfach uns selbst in all unseren Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten zu zelebrieren.
Tanzen, auch allein in den eigenen vier Wänden, fördert unser Wohlbefinden und ist Empowerment zugleich.

Über QTI-BIPoC DJ MINQ:

This mix is a physical manifestation of letting go of the old and embracing the new;

Original Photo by Sarah Alikhan

acknowledging where I am and where I have been to give me an idea of where I’m going. We are now and this is forever. Welcome to Global PandeMINQ. I hope you enjoy 🙂

Please take a moment to read, donate to, and share the Queer Black Therapy Fund, which is raising €65,000 to provide access to Mental Health Professionals for 10 people who identify as Black, of the African diaspora, and LGBTQIA+.

MINQ is a Musician, Art Director, and Cultural Producer living in Berlin, Germany.

Dieser Mix ist eine physische Manifestation des Loslassens des Alten und der Umarmung des Neuen; mit einem Blick dafür, wo ich war und wo ich jetzt bin, um mir eine Ahnung davon zu geben, in welche Richtung ich gehen werde. Wir sind jetzt und das ist für immer. Willkommen bei Global PandeMINQ. Ich hoffe, ihr genießt das Set 🙂

Bitte nehmt euch einen Moment Zeit, um euch über den Queer Black Therapy Fund zu informieren, die Spendenkampagne zu teilen und/oder selbst zu spenden. Durch die Spendenkampagne, die in Zusammenarbeit mit GLADT e.V. realisiert wird, sollen 65.000 Euro gesammelt werden, um 10 Personen, die sich als Schwarze Menschen, der afrikanischen Diaspora sowie als LGBTQIA+ positionieren, Zugang zu psychiatrischen Fachkräften zu ermöglichen.

MINQ ist Musiker, Art Director und Kulturproduzent und lebt in Berlin, Deutschland.

10-Punkte-Plan für mehr Awareness in queeren Einrichtungen​

GLADT e.V. setzt sich seit über 20 Jahren im Kampf gegen jegliche Form von Diskriminierung in unserer Gesellschaft und für eine diskriminierungsärmere Berliner Queer-Szene ein. Viel Schweiß ist geflossen, viele Diskussionen wurden gehalten und unzählige Konflikte ausgetragen. Leider zeigt uns die Realität, dass der Kampf um mehr Gleichberechtigung und menschenwürdigere Lebensbedingungen ein Kampf sein wird, der einen langen Atem erfordert. Wo anfangen, fragt mensch sich, im Kampf gegen diese Ungerechtigkeit?

Am besten da, wo Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt am seltensten erwartet wird. In queeren Räumen in einer der offensten Städte der Welt: Berlin. Das versucht GLADT e.V. seit fast zehn Jahren im Rahmen seines Projekts „Diskriminierungsfreie Szenen für Alle“ (kurz: DFS). Ziel dahinter ist die Vernetzung mit lokalen queeren Strukturen in Berlin und die Reduktion sämtlicher Formen von Diskriminierung in queeren Einrichtungen und Orten.

Unsere Erfahrung ist, dass in vielen queeren und als so frei deklarierten Räumen in Berlin (wie z.B. Cafés, Bars, Clubs, Sportvereine sowie Beratungseinrichtungen) aufgrund fehlender Betroffenheit ein weiterhin mangelndes Bewusstsein für andere Diskriminierungsformen wie Rassismus, Klassismus, Ableismus, Lookismus, Trans*- und Inter*-Feindlichkeit haben. Da dominante kulturalistische Diskurse über die vermeintlich homo- und trans*-feindlichen Anderen der Mehrheitsgesellschaft unkritisch übernommen werden, kann es in diesen Einrichtungen vorkommen, dass die Lebensrealitäten von queeren Schwarzen, Indigenen und Personen of Color bestenfalls nicht anerkannt werden, was zu re_traumatisierenden Erfahrungen bei den Betroffenen führt. Angesichts der Tatsache, dass diese Orte jedoch eine der wenigen Anlaufstellen für eben jene Menschen darstellen und als Safe Spaces deklariert werden, sehen wir als Verein die Notwendigkeit, in einen Sensibilisierungsprozess mit den besagten Einrichtungen zu treten und gemeinsam Awareness-Strategien für eine diskriminierungsreduzierende Politik zu entwickeln.

Hierzu hat das DFS-Projekt eine Online-Umfrage zu rassistischer Diskriminierung durchgeführt, die an über 100 queere Einrichtungen versandt wurde. Auf Grundlage dieser Umfrage ist ein 10-Punkte-Plan entstanden, der queeren Spaces einen Prozessanstoß geben und eine sensible Vorgehensweise ermöglichen soll, um eine interne Auseinandersetzung mit Thema Rassismus in Gang zu setzen:

  • Zunächst ist es wichtig zu verstehen und anzuerkennen, dass in weiß dominierten Räumen nicht nur die klassische Form von Rassismus, wie z.B. offene Diskriminierungen, Beleidigungen und Gewalt, vorherrscht. Rassismus äußert sich ebenso oft unterschwellig in Form von einer „Wir“ und „Ihr“-Haltung, von Mikroaggressionen, von der Kulturalisierung und Ethnisierung von Verhaltensweisen, bis hin zu einer Fetischisierung als auch Tokenisierung von BIPoCs zur Zurschaustellung der eigenen Diversity-Strategien.
  • Offene Ansprache und Wille zur Aufarbeitung rassistischer Ausschlussmechanismen, ohne dass weiße Personen sofort ihre Sicht der Dinge auf die Probleme äußern. Dies ist insofern notwendig, da BIPoCs aufgrund von Angst vor einem Reputationsverlust, dem Vorhalten einer Opferhaltung oder weiterem Ausschluss ihre gemachten Erfahrungen nicht angemessen beschreiben oder benennen können. Dafür muss ein Vertrauensklima hergestellt werden.
  • Dementsprechend bedarf es einer Vorarbeit im Team, damit sich alle Beteiligten bereit erklären, konstruktiv an einem Sensibilsierungsprozess mitzuwirken. Abwehrmechanismen gegen eine angemessene Thematisierung von rassistischem Ausschluss, wie z.B. geäußerter Unwille Rassismus als grundlegendes Problem zu sehen, müssen als solche benannt und aufgearbeitet werden.
  • Sind diese Grundvoraussetzungen geklärt, sollte jede queere Einrichtung darauf bedacht sein, eine öffentlich sichtbare Haltung gegen Diskriminierung und Benachteiligung einzunehmen. Diese Haltung sollte durch Leitbilder verankert sein, jedoch mit dem Wissen, dass ein derartiges Leitbild noch lange nicht ausreicht. Räume zu schaffen, in denen Diskriminierungen abgebaut werden, ist ein fortwährender Prozess, dem das stetige Fragen nach möglichen Ausschlüssen zugrunde liegt.
  • Die Ermöglichung von Fortbildungen des eigenen Personals zu Themen wie Intersektionalität, Critical Whiteness und Critical Race Theory ist ein weiterer zentraler Baustein zur Sensibilisierung der eigenen Strukturen.
  • Auch der mangelnde Einbezug von BIPoCs in die eigenen Strukturen sollte dabei problematisiert und Strategien für eine stärkere Einbindung entwickelt werden. Die Abwesenheit von entsprechenden gesellschaftlichen Positionen in der eigenen Struktur sollte als ein Zeichen zum Handeln gesehen werden.
  • Bei erfolgten und gemeldeten Diskriminierungen sollte schon vorab darüber diskutiert werden, welche Handlungsstrategien sinnvoll sind, um den von Ausschluss betroffenen Personen schützend und wertschätzend entgegentreten und entsprechende Maßnahmen gegen Aggressor_innen entwickeln zu können.
  • Dafür ist es wünschenswert, geschulte und unabhängige Ansprechpersonen vor Ort oder nach den Veranstaltungen (sogenannte Awareness-Teams oder Beschwerdestellen) etabliert zu haben, die sich um diskriminierende Vorfälle angemessen kümmern.
  • Den marginalisierten Personen und ihren Perspektiven, Emotionen und Reaktionen sollte demnach ein geschützter Raum eröffnet werden, um sich vor Ausschlusserfahrungen sicher zu fühlen und das Gefühl zu bekommen, wahrgenommen zu werden. Von keiner Person, die rassistische Diskriminierung erfährt, darf erwartet werden, sich mit der Perspektive der diskriminierenden Person tolerant und offen auseinanderzusetzen zu müssen. Dies ist nicht die Aufgabe der betroffenen Person.
  • Jede queere Einrichtung, die auf Sensibilisierung bedacht ist, sollte sich schließlich Gedanken über ihre Verantwortung gegenüber der Community gemacht haben. Die Entwicklung eines klaren Selbstverständnisses diesbezüglich (wie profitiere ich von der Community und welche Aufgabe kommt mir daher zu?) ist unerlässlich. Organisator_innen und Entscheidungsträger_innen sollten sich bewusst darüber sein, dass sie die Verantwortung für rassistische und andere diskriminierende Handlungen in ihren Orten tragen, egal von wem diese Handlungen verübt werden.
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