Begriffsglossar

gender* und gender _: Der Stern * zeigt an, dass Geschlecht (Mann/Frau) und alles, was dazu gehört, eine Frage von Gesellschaft ist. Der Stern zeigt damit, dass etwas gesellschaftlich gemacht ist und mit Zuschreibungen verknüpft wird. Der  _ wird als Lücke verwendet. Diese Lücke lässt Platz für eine Vielfalt von Lebensweisen und Identitäten, die nicht nur das eine oder das andere Geschlecht wählen möchten. Das heißt auch, dass andere Menschen nicht für sie entscheiden sollen.

Community: Community kommt aus dem Englischen und bedeutet Gemeinschaft. Dies kann eine Gemeinschaft aufgrund einer gleichen oder ähnlicher Erfahrungen sein. Wir können uns deswegen immer auch unterschiedlichen Communitities zugehörig fühlen.

Empowerment: Empowerment ist ein englisches Wort. Es bedeutet „sich zu stärken“, es kann auch bedeuten, sich gegenseitig zu stärken. Damit sollen alle unterstützt werden, ihre eigenen Kräfte kennenzulernen und zu nutzen.

LSBT*I*Q: Ist die Abkürzung für Lesbisch, Schwul, Bi, Trans*, Inter* und Queer

Homosexuell/lesbisch bezeichnet Frauen*, die sich in Frauen* verlieben/begehren 

Homosexuell/Schwul* bezeichnet Männer*, die sich in Männer* verlieben/begehren 

Bisexuell beschreibt wenn sich Frauen* oder Männer in Frauen*, Männer* und nicht-binäre Trans*-Menschen verlieben

Trans*-Frau ist eine Frau*, der bei der Geburt das männliche* Geschlecht zugewiesen wurde und die als Frau* lebt 

Trans*-Mann ist ein Mann*, dem bei der Geburt das weibliche* Geschlecht zugewiesen wurde und der als Mann* lebt

Trans* Nicht-Binär bezeichnet Personen, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen – oder beiden, also:

Menschen, die weder als Frau* noch als Mann* leben

oder

Menschen, die als Mann* und als Frau* leben

Inter*-Menschen können sich als Männer*, Frauen* oder je nach Kontext anders definieren. 

Es können sich auch Personen, als lesbisch*, schwul* oder bisexuell bezeichnen, die sich nicht in ein bestimmtes Geschlecht einordnen lassen möchten. So kann sich beispielsweise eine Schwarze Nicht-Binäre Person, welche in der Lebensrealität lesbisch* immer unsichtbar gemacht wurde, aus Gründen des Empowerments und des Sichtbarmachens weiterhin als Lesbe* bezeichnen, jedoch ohne eine Frau* zu sein.

Nichts ist in Stein gemeißelt: Eine Person, die sich als schwul* bezeichnet, kann sich auch in eine Nicht-Binäre Person verlieben und bleibt weiterhin schwul* – oder beide bezeichnen die gemeinsame Beziehung als schwul*.
Dies hat häufig damit zu tun, dass wir alle in dem einen oder dem anderen Geschlecht gelesen (also als Mann* oder Frau* wahrgenommen) werden. Trans*, Trans* Nicht-Binär oder Inter* ist nichts, was sich an einem Menschen erkennen lässt. Somit können ein Cis-Mann* und eine Nicht-Binäre Person auch weiterhin schwulenfeindliche Diskriminierungen erleben.

Queer ist eine politische Selbstbezeichnung, die versucht Menschen solidarisch zusammenzufassen. Queer bezeichnet damit Menschen, die in der Gesellschaft aufgrund ihrer Sexualität, Identität, Geschlecht, Begehren diskriminiert werden. 

Homo- & Trans*-Feindlichkeit: Menschen werden schlecht behandelt, weil sie Trans* oder homosexuell sind.

Heteronormativ setzt sich aus unterschiedlichen Wörtern zusammen. Zuerst ist da die Norm (normativ): Also eine Regel, eine Denkweise, die, die Gesellschaft als richtig und besser wertet. Heteronormativ beschreibt dann zum Einen, die Aufteilung in zwei Geschlechter (Mann* oder Frau*). Zum Anderen bedeutet es Heterosexualität, also die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau. Heteronormativ beschreibt also, dass nur diese Kombination eine gesellschaftlich akzeptierte Form ist.

Mehrfach-Zugehörigkeit: Menschen machen verschiedene Erfahrungen, weil sie unterschiedlichen Gruppen angehören. Manche von uns sind Frau* und Migrant_in. Manche sind Frau*, Migrant_in, lesbisch*, alleinerziehend, muslimisch und Schwarz. 

Mehrfach-Diskriminierung/Intersektionalität: Eine Person kann aus verschiedenen Gründen schlechter behandelt werden: Vielleicht wegen ihrem Namen und/oder ihrem Aussehen. Diskriminierung bedeutet, dass Menschen weniger Möglichkeiten haben: Sie werden beleidigt, finden nicht so schnell eine gute Ausbildung oder Arbeit. Bei der Mehrfach-Diskriminierung sind die Diskriminierungen eng miteinander verbunden, passieren gleichzeitig und entwickeln deswegen eine eigene, spezielle, Form des Diskriminiert-Werdens. 

Migrant_in: Ein Mensch aus einem anderen Land zieht nach Deutschland, lebt und arbeitet hier. 

Migrant_innen-Selbstorganisation: Migrant_innen gründen einen eigenen Verein zum Austausch und zur gemeinsamen Arbeit mit anderen Menschen, die auch nach Deutschland gekommen sind. 

Migrationsbezüge: Migrationsbezüge haben Menschen, die selbst eingewandert sind oder deren Familien nach Deutschland gekommen sind. Manchmal besitzen Menschen mit Migrationsbezügen keine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland. Andererseits können Migrationsbezüge auch andeuten, dass ein Mensch mehr als eine Staatsangehörigkeit hat.

Migrantisch-Diasporisch: Migrationsbezüge haben Menschen, die selbst eingewandert sind oder deren Familien nach Deutschland gekommen sind. Die Diaspora sind dann die Gemeinschaften der Menschen die außerhalb dieses Herkunftslandes leben. 

BIPoC ist die Abkürzung von Black, Indigenous, People of Color und bedeutet auf Deutsch Schwarz, Indigen und der Begriff People of Color wird nicht übersetzt. 

People of Color verwenden Menschen, die rassistische Diskriminierungen in weißen Mehrheitsgesellschaften erfahren, als gemeinsame politische Selbstbenennung. Die positive Verwendung des Begriffs hat ihren Ursprung in der Black Power-Bewegung in den USA Ende der 1960er Jahre. People of Color wird nicht übersetzt, weil der Begriff sich nicht auf „farbig“ bezieht sondern auf die Vielfalt unserer Erfahrungen, Biografien und Herkünfte.

Indigen bedeutet so viel wie „in ein Land geboren“. Indigene Personen bezeichnen sich auch häufig als People of Color. Die Selbstbezeichnung Indigen bezeichnet jedoch noch mal speziell die Erfahrung, durch einen rassistischen, also kolonialen Raub von Land verdrängt zu werden und deswegen bis heute unterdrückt zu werden.

Schwarz ist eine politische Selbstbezeichnung, deswegen wird diese immer groß geschrieben. Sie bezieht sich nicht auf ein Aussehen, sondern auf eine gemeinsame Position in der Gesellschaft und damit auch gemeinsame Erfahrungen.

Alle diese Begriffe sind politische Selbstbezeichnungen. Das bedeutet, sie sind aus einem Widerstand entstanden und stehen bis heute für die Kämpfe gegen diese Unterdrückungen und für mehr Gleichberechtigung.